Sophie, rencontre avec Martha

SVC au Pérou

 

Martha

Eine der schönsten Aufgaben bei AGTR (Asosación Grupo De Trabajo Redes) war ohne Zweifel unsere Aufgabe, Frauen auf Märkten in Limas Armenvierteln über ihre Rechte als „trabajadora del hogar“, also als Hausangestellte, aufzuklären. Der direkte Kontakt mit den Frauen und der oftmals darauf folgende Austausch, gaben uns einen guten Einblick in ihr Leben hier in „San Juan de Miraflores“. Sowohl ich, als auch die andere Luxemburgerin, mochten diesen Teil unseres Freiwilligendienstes, den wir mit „Terres des Hommes Luxembourg“, während 6 Monaten in Lima absolvierten, am Liebsten.

Die wöchentlichen Fahrten zu den Märkten waren eine neue Initiative von AGTR, bei der sie mit einem Van Märkte in Limas Armenvierteln besuchten. Somit fuhren sie zu den Frauen und konnten mit ihnen vor Ort reden, anstelle nur aus der Ferne für ihre Arbeitsagentur zu werben.

Einige der Frauen, sahen uns als eine Art „offenes Ohr“ an, denen sie von ihren Problemen erzählen konnten. So kam es öfters dazu, dass sie sich auf einen der beiden Hocker an unseren kleinen Holztisch setzen und um Rat baten. Ganz besonders nah ging es einem, wenn sie dann anfingen zu Weinen. Bei einigen Geschichten konnte ich selbst nur staunen was verschiedene Frauen durchmachten.

Unser eigentliches Ziel war es aber nicht den Frauen Beistand zu leisten, auch wenn das ebenfalls unter die Tätigkeiten von AGTR fällt, sondern auf den Märkten für unsere Arbeitsagentur „La Casa De Panchita“ zu werben und möglichst viele Frauen zu uns nach Lince einzuladen, damit sie sich kostenlos bei uns eintragen konnten. Durch diesen ständigen Kontakt lernt man natürlich die verschiedensten Frauen kennen, die einen sowohl zum Weinen als auch zum Lachen bringen.

Ich hatte eine Begegnung die mich noch heute zum Lächeln bringt.

Die ersten drei Monate besuchten wir zwei Mal die Woche den gleichen Markt. An einem Tag, anstelle immer am Eingang des Marktes Flyer zu verteilen, ging ich seitlich vom Markt die Straße runter. Dort herrschte noch regeres Treiben als vor dem Markt, da hier zusätzlich kleine Läden und Stände in den Straßen waren. Mit meiner, für Südamerika ungewöhnlichen Größe, meinem europäischen Aussehen und der blauen Veste mit dem Namen „Casa De Panchita“ in Gelb, kann man, wenn man untertreiben will, sagen, dass ich ein wenig auffiel. Wenn man realistisch ist, muss man sagen, dass die meisten Marktbesucher mich regelrecht anstarrten. So kam es dann auch, dass ich regelmäßig auf meine Arbeit und mit dem Namen „Panchita“ angesprochen wurde. An diesem Tag rief eine Frau aus einem dieser Geschäfte am Straßenrand mich zu sich, weil sie die „Casa de Panchita“ erkannte. Sie erzählte mir, dass ihre Schwester regelmäßig zu uns kam um an unseren Aktivitäten teilzunehmen. Wir redeten eine Zeit lang und sie wollte alles über meine Arbeit und meine Herkunft wissen.

Von diesem Tag an, besuchte ich Martha jedes Mal wenn wir zum „Ollantay-Markt“ fuhren. Es wurde zur Gewohnheit und ich freute mich immer diese Straße, seitlich des eigentlichen Marktes, runterzugehen und mit ihr zu reden. Sie erzählte mir von ihrer Familie, ich lernte sogar mal kurz ihre Tochter kennen, die ihr im Geschäft aushalf und wir sprachen über Lima. Jedes Mal wenn ich mich wieder verabschiedete, sagte Martha „bis morgen“ und wie jedes Mal erklärte ich ihr, dass ich nicht jeden Tag hier bin.

An einem Donnerstag im Januar, als mein letzter Tag auf diesem Markt gekommen war, wollte ich mich kurz von Martha verabschieden gehen, nicht wissend, dass sie etwas Größeres im Sinn hatte. Als ich ihr nämlich erzählte, dass es wahrscheinlich das letzte Mal ist, dass ich hier arbeite und wir uns sehen, setzte sie ihr Essen ab, sagte ihrer Tochter, sie solle sich kurz ums Geschäft kümmern und fragte mich ob ich Ceviche „peruanische Spezialität) mag. Ich war verwirrt und dachte nur, dass ich jetzt nicht mit ihr Ceviche essen gehen kann, weil wir ja gleich mit unseren Arbeitskollegen in ein Restaurant fahren. Wir einigten uns dann auf einen Saft. Martha bestellte mir noch ein riesiges Stück Kuchen dazu und schlussendlich war ich doch mehr als nur satt. Wir redeten über dies und das und ich bedankte mich mehrmals für die Einladung, wissend, dass sie es sich sicher nicht jeden Tag leisten kann jemanden einzuladen.

Auf den Märkten die wir besuchten, begegnete ich vielen Menschen und sprach mit ihnen, doch die kleine Frau mit den kurzen schwarzen Haaren und der Brille werde ich mit Sicherheit nicht vergessen.

Sophy Bissen